Dem bedeutendsten Bürgerkrieg der USA, dem Sezessionskrieg, wird in europäischen Geschichtsbüchern häufig erstaunlich wenig Beachtung geschenkt. Bekannt ist die Thematik den meisten Deutschen dennoch, nämlich durch das oscarprämierte Drama “Vom Winde Verweht” aus dem Jahr 1938 und dem gleichnamigen Roman, der vier Jahre zuvor erschienen war.
Was aber hatte es wirklich auf sich mit dem erbitterten Krieg zwischen den Nord- und den Südstaaten der USA, der keinen Gewinner hatte, dafür aber umso mehr Verluste in Kauf nahm, weil sich unter Umständen Freunde und Verwandte auf dem Schlachtfeld gegenüber standen?
Ausgangspunkt für den “Bruderkrieg”, der zwischen 1861 und 1865 auf amerikanischem Boden tobte und insgesamt über 660.000 Opfer auf beiden Seite forderte, war die sogenannte Sklavenfrage. Auf den zahlreichen Baumwollplantagen der wohlhabenden Großgrundbesitzer in den Südstaaten South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia und Louisiana arbeiteten tausende Sklaven, die von ihren Besitzern nicht selten brutal ausgebeutet und misshandelt wurden.
Diese Staaten traten 1861 aus der Union der restlichen US-Bundesstaaten aus, nachdem Abraham Lincoln im November 1860 Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Später folgten noch Texas, Virginia, Tennessee, Arkansas und North Carolina. Abraham sprach sich für die Abschaffung der Sklaverei aus, woraufhin sich die Südstaaten in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sahen. Der gesamte Süden der USA war zu diesem Zeitpunkt ein extrem strukturschwaches Gebiet. Die Industrialisierung war dort noch nicht angekommen, die Menschen lebten von der Land- und Sklavenwirtschaft.
Allein der Staat New York hatte ein viermal höheres Produktionsvolumen als der gesamte Süden zusammen. Eine bürgerliche Mittelschicht existierte nicht. Der Norden war außerdem sehr viel stärker bevölkert als der Süden. Dort lebten etwa neun Millionen Menschen, im Norden mehr als doppelt so viele.
Nachdem die aus dem Unionsbund ausgetretenen Staaten, die sich jetzt “Konföderierte Staaten” nannten, Jefferson Davis als Präsidenten gewählt hatten, erklärten sie den Nordstaaten am 12. April 1861 den Krieg, indem sie das Fort Sumters attackierten.
Abraham Lincoln hatte bis zuletzt versucht, die erhitzten Gemüter zu beruhigen und einen Krieg abzuwenden.
Zunächst konnten die Konföderierten einige Siege erringen, doch bald zeigte sich, dass sie dem Norden hoffnungslos unterlegen waren. Sie wurden 1865 vernichtend geschlagen und die Sklaverei abgeschafft. Doch obwohl die farbigen Bürger das Bürgerrecht erhielten, sollte es noch mehr als hundert Jahre dauern, bis von einer Gleichberechtigung von schwarzen und weißen Amerikanern gesprochen werden konnte.




